Archiv für den Monat: Oktober 2020

Koanarbeit und Satori im Prozess der Symbolisierung

Autor: Peter Widmer

Ein Zen-Schüler fragte Joshu in allem Ernst: „Was ist Buddha?“ Joshu antwortete: „Der Eichbaum im Garten.“
aus der Koan-Sammlung Mumonkan

Zen-Koans sind Mittel der Unterweisung und Meditation im Zen. Auf den ersten Blick wirken die Antworten der Zen-Meister in den Koans unverständlich, paradox, sinnlos.
Meditationsanfänger haben oft Mühe, sich auf eine traditionelle Koanschulung einzulassen, weil sich ihnen der Sinn von Koans von Anfang an verschliesst und weil sie keine befriedigende Antwort auf ihr Nachfragen erhalten. Sie werden bewusst vor den Kopf gestossen. Zudem ist eine Koanschulung geprägt von einem hierarchischen Verhältnis zwischen einem/r Zen-Meister/in, der/die alle „Koan-Antworten“ kennt und einem/r Schüler/in, der/die unentwegt versucht, die „richtige“ Antwort auf das jeweilige Koan zu geben und immer wieder zurückgewiesen wird, bis er sie geben kann. Das kann frustrierend sein. Insbesondere Menschen, die Schwierigkeiten mit hierarchischen Verhältnissen und Prüfungssituationen haben, lassen sich entweder gar nicht auf Koans ein oder kehren, bald nachdem sie begonnen haben, wieder zur Aufmerksamkeit auf den Atem zurück und verzichten oftmals frustriert auf weitere Koans. Aus diesen Gründen und auch weil das Angebot an eingängigen, unmittelbar wohltuenden Meditationsmethoden uferlos ist, ist das Interesse an Koanarbeit in den vergangenen Jahren leider zurück gegangen.
Doch die Zeiten ändern sich und es gibt durchaus Möglichkeiten, Koans von Beginn an auf eine Art und Weise verständlich zu machen und mit ihnen zu arbeiten, durch die Menschen des 21. Jahrhunderts besser abgeholt werden und mit denen sie neugierig, motiviert, freudig und tief berührt mit Koans arbeiten können. Davon handelt dieser Blogbeitrag.

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