Schlagwort-Archive: Lebensqualität

Mitgefühl trainieren – Tania Singers ReSource Studie

Autor: Peter Widmer

Teilearbeit & Meditation für eine globalisierte Welt


Prof. Dr. Tania Singer (Direktorin der Abteilung für Soziale Neurowissenschaft am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig) im Gespräch mit Gert Scobel

Mitgefühl lässt sich trainieren! Das von Tania Singer initiierte ReSource-Projekt am Max Plank Institut in Leipzig ist die umfangreichste und längste Meditationsstudie, die es bisher gegeben hat. Tania Singer hat in dieser Studie verschiedene Meditationsarten miteinander verglichen, um zu erkennen, welche wie wirkt. Sie wollte herausfinden, wie sich neben Achtsamkeit auch Mitgefühl, Perspektivenübernahme und eine universalistische ethische Haltung  am besten schulen lassen. Die ersten Resultate liegen nun vor. 1
Interessanterweise wurde in dieser Studie Teilpersönlichkeitsarbeit –  Innere Friedenskonferenz – mit Meditationspraktiken verwoben. Tania Singer weist nach, wie wirkungsvoll diese Komination Basisfähigkeiten sozialer Intelligenz, die zentral sind für eine globalisierte Welt, fördern kann. Die Resultate dieser Studie zeigen eindringlich, dass es ein Erfordernis unserer Zeit ist, Zen mit Teilearbeit und Mettameditation zu verbinden, wie ich das schon seit einiger Zeit in meinen Kursen und Seminaren anbiete. Weiterlesen

Leiblichkeit und Weiblichkeit in spirituellen Traditionen

Autor: Peter Widmer

Katharina Ceming

In diesem zweiten Teil des Interviews mit Katharina Ceming geht es um die Rolle des Körpers / der Leiblichkeit und damit einhergehend, der Weiblichkeit in spirituellen Traditionen. Nicht nur unsere westliche Kulturgeschichte, auch die Kulturgeschichten der Spiritualitäten lassen sich, mit wenigen Ausnahmen, als Verdrängungsgeschichten des Leiblichen und Weiblichen diagnostizieren.
Eine moderne, wahrhaft ganzheitliche Spiritualität tut gut daran, diese beiden bislang verdrängten Dimensionen des Menschseins mit einzubeziehen, denn Körper und Geist / Seele, männlich und weiblich wirken stets wechselseitig aufeinander ein, sowohl im einzelnen Menschen, als auch in unserer Gesellschaft, in Familien und am Arbeitsplatz. Weiterlesen

Rettet mehr Spiritualität die Welt?

Autor: Peter Widmer

Katharina Ceming

Im Anschluss an die Ken Wilber Tagung im Lassalle-Haus hatte ich Gelegenheit mit Katharina Ceming das folgende Interview zu führen. Katharina Ceming ist Autorin, Philosophin und Theologin an der Universität Augsburg. Sie interessiert sich für gesellschaftliche und spirituelle Themen und ihr Denken ist nachhaltig von Ken Wilber beeinflusst. 1
Rettet mehr Spiritualität die Welt? Gibt es eine Leib- und Frauenfeindlichkeit in den spirituellen Traditionen? Gibt es da auch eine gewisse Gefühlszensur, die inkompatibel ist mit unserer modernen Psychologie? Was sind die Motivationen moderner, heute lebender Menschen, spirituell unterwegs zu sein? Gibt es eine präfreudianische Psychologie in den spirituellen Traditionen, die die moderne Psychologie obsolet macht? Was macht Spiritualität im 21. Jahrhundert für Menschen von heute aus? Das sind die Themen dieses und der folgenden Blogbeiträge. Weiterlesen

Stufen der sexuellen Entwicklung und die Sexualisierung der Kindheit

Autor: Peter Widmer

Cyber-Self & Sexualität: Frühsexualisierung durch Internet

Dieser Filmbeitrag von 3-Sat bringt ein aktuelles Problem auf den Punkt und regt zum Nachdenken an. Sowohl Mädchen als auch Jungs kommen heute viel früher als jemals zuvor mit einer Fülle von sexuellen Inhalten, Idealvorstellungen via Smartphone, Internet und TV in Kontakt. Man nennt diesen Trend „Sexualisierung der Kindheit“. In den USA längst eine Normalität, schwappt er auch nach Europa über. Die Werbeindustrie trägt viel dazu bei, denn Kinder und Jugendliche sind eine rentable Zielgruppe. Sie geben jährlich Milliarden für Kleidung, Schmuck und Körperkult aus. Klischees darüber, wie Mädchen und Jungs sein sollen, versucht die Werbeindustrie im Internet, in online Videospielen, TV-Serien, Jugendzeitschriften, via Sex- und Porno-Idole der Pop- und Jugendkultur Kindern und Jugendlichen schon früh einzuimpfen.

Können wir Eltern die Sexualisierung unserer Kinder unterbinden? Das ist eine Frage der Wertvorstellungen und der Möglichkeiten, Einfluss nehmen zu können auf die sexuelle Entwicklung unserer Kinder. (Zur allgemeinen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, siehe hier.) Dies wird heute noch weitgehend den Eltern überlassen und selten von den Schulen übernommen. Was die Kinder für eine gelingende sexuelle Entwicklung von uns Erwachsenen lernen können, thematisiert dieser Blogbeitrag… Weiterlesen

Lawrence Kohlbergs Stufen der Moralentwicklung

Lawrence Kohlberg

Lawrence Kohlberg (1927-1987) war Entwicklungspsychologe und Professor für Erziehungswissenschaften an der Harward Universität. 1958 begann er mit Längsschnitt- und interkulturellen Studien über die Moralentwicklung, d. h. er untersuchte Menschen über Jahre hinweg bezüglich ihrer Moralentwicklung in unterschiedlichsten Kulturen.
Seit 1973 hat Kohlberg auch über mystisch-religiöse, metaphysische Erfahrungsformen nachgedacht und diese in sein Konzept der Moralentwicklung integriert.1
Kohlberg unterscheidet sechs Stufen des moralischen Urteilens und eine sog. „7. metaphorische Stufe“.
Moralisches Urteilen ist für ihn ein vorwiegend kognitiver Prozess. Allein die späteste Entwicklungsstufe ist nicht kognitiv. Es handelt sich vielmehr um ein mystisches Erlebnis, bei dem der Mensch sein Ego transzendiert in Richtung einer non-dualen Erfahrung. Dieses nicht-sprachliche Erlebnis muss nach Kohlberg jedoch kognitiv gedeutet werden, damit es dem Leben Sinn, Orientierung, einen Wert und eine moralische Richtung gibt, im Sinne eines höheren, ewigen, natürlichen Rechts.  Weiterlesen

James Fowlers Stufen des Glaubens

Autor: Peter Widmer

James E. Fowler

Glaube und Spiritualität entwickeln sich. Als einer der ersten hat dies James E. Fowler (1940-2015), Professor für Theologie und Entwicklungspsychologie an der Theologischen Fakultät der Emory Universität in Atlanta, nachweisen können. Bekannt wurde er durch sein Buch: Stufen des Glaubens – Die Psychologie der menschlichen Entwicklung und die Suche nach dem Sinn, in welchem er die Entwicklung des gläubigen, resp. spirituellen Menschen untersuchte. Sein Modell unterscheidet 6 Stufen, die er durch seine Untersuchungen empirisch belegen konnte.
Fowler konnte zeigen, dass Menschen, die in einem religiösen Kontext aufwachsen, sich in der Art und Weise, wie sie glauben, entwickeln, von einem mythisch-wortwörtlichen Glauben, über einen konventionellen, reflektierten zu einem interreligiös offenen, verbindenden und letztlich universell-mystischen Glauben.
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Weise Menschen

Autor: Peter Widmer

Die Koralle: Lebensgrundlage für unzählige Lebewesen – Persönlichkeitsanteile von Menschen der konstruktbewussten (8) und universalen Entwicklungsstufe (9)

Auf den beiden letzten Stufen des Selbst-Entwicklungmodells von Cook-Greuter fangen Menschen an zu durchschauen, dass alle Begriffe, Theorien, Ansichten, Weltsichten etc. nichts anderes als von Menschen geschaffene Konstrukte sind. Auch Raum, Zeit und das „SELBST“ sowie die Persönlichkeitsanteile werden als Konstrukte erfahren. Diese Erkenntnis bleibt nicht abstrakt und intellektuell, wie noch auf früheren Stufen, sondern beeinflusst alltägliche Wechselwirkungen, Gespräche, Gedanken, Wahrnehmungen, Gefühle und Handlungen. Das SELBST und die Teilpersönlichkeiten, die sich bisher entwickelt haben, verändern sich entsprechend, werden „durchsichtig“ und es entstehen neue Akzente des SELBST. Eines der wichtigsten Anliegen von Menschen der konstrukt-bewussten Stufe (8) ist es, gleichzeitig mit den grundlegenden Annahmen über die menschliche Natur und dem eigenen Bedürfnis, Ordnung in diese chaotische Welt zu bringen, zurechtzukommen. Menschen der universalen Stufe (9) sind äusserst selten zu finden (weniger als 1% der Gesamtbevölkerung). Sie agieren im Alltag mitfühlend, gewissenhaft, demütig-bescheiden, mutig und weise, zum Allgemeinen Nutzen. Weiterlesen

Menschen mit Weitblick

Man on overhanging rock at Glacier Point, Yosemite National Park, California, USA

Persönlichkeitsanteile auf der selbst-aktualisierenden Entwicklungsstufe

Im Modell der Selbstentwicklung vollzieht sich auf der selbst-aktualisierenden Entwicklungsstufe (7) von neuem eine wesentliche Erweiterung der Perspektive: Menschen mit Weitblick erleben sich eingebunden in ihre eigene Geschichte und Lebenszeit, sowie in verschiedene kulturelle Zusammenhänge in Unternehmen, Familie und der Gesellschaft. Die Ziele, die sie im Blick haben sind daher umfassender, als die kurzfristigen Ziele der selbst-bestimmenden Stufe (5). Sie verhalten sich toleranter und spontaner und können andere besser in ihrer Andersartigkeit akzeptieren, als dies auf früheren Entwicklungsstufen möglich ist. Wechselwirkungen mit anderen werden als Möglichkeiten erfahren, etwas über sich selbst zu erfahren und Teilpersönlichkeiten in sich selbst zu integrieren, die einem ansonsten nicht zugänglich wären. Man benötigt die fürsorgliche Präsenz von anderen, um am stärksten das zu werden, was man sein kann. Gegenseitige Abhängigkeit ist unvermeidlich und wird mit Ehrfurcht und einem Bewusstsein für die eigene Verantwortlichkeit anderen gegenüber erfahren. Weiterlesen

Teenagerteile – Entwicklungsimpulse setzen

Autor: Peter Widmer

group of teenagers in the park do selfie

Teenager in ihrer Entwicklung unterstützen

Der Radius der eigenen Wirksamkeit dehnt sich im Laufe der kindlichen Entwicklung immer mehr aus. Auf der Gruppen-zentrierten Stufe (3) dominiert das Dazugehören zu Gleichgesinnten. 1 Die vorbehaltlose Loyalität, die den Eltern und der eigenen Familie gegenüber galt, richtet sich nun mehr und mehr auf die Gruppe, der man sich zugehörig fühlt. Die Eltern werden als Gottheiten zunehmend vom Sockel gestürzt. Der Einfluss auf die Kinder ist nach und nach begrenzter. Vorbilder, die von der Gruppe geteilt werden, gewinnen an Einfluss. Aufgrund der Gruppendynamik in Schule und Gruppen Gleichgesinnter entstehen Rollenverteilungen, die ihrerseits verschiedenste innere Anteile auf den Plan rufen. Die Kinder finden ihre Einzigartigkeit und Individualität bezogen auf die Gruppen, denen sie sich zugehörig fühlen. Die Welt der Medien, Internet und Smartphone beeinflussen die sich entwickelnden Persönlichkeitsanteile und schaffen neue. Auf der Aufgaben-zentrierten Stufe (4) geht es darum, sich aufgrund einer oder verschiedener Fähigkeiten oder Eigenschaften  von der Gruppe abzuheben, um seine Identität zu gewinnen.
Hier eine Auswahl von oft vorkommenden Teilpersönlichkeiten, die auf diesen Stufen entstehen können und den Möglichkeiten für Eltern, Impulse zu setzen, um die Teile der Kinder auf konstruktive Weise anzuregen. Weiterlesen

Entwicklungsperspektiven, die alles verändern

 Autor: Peter Widmer

Erwachsenenentwicklung

Die Welt und ihre Probleme werden immer komplexer; und in dem Masse, in dem die äussere Komplexität zunimmt, verändert sich auch das menschliche Bewusstsein.
Von Piaget bis heute haben Entwicklungspsychologen erkannt, wie Kinder eine Reihe von klar unterscheidbaren Stufen auf Ihrer „Reise“ ins Erwachsenenleben durchlaufen. Diese Stufen geben die emotionalen und kognitiven Fähigkeiten wieder, mittels derer wir uns selbst und die Welt um uns herum verstehen und gestalten. Sie wiederspiegeln die Art und Weise, wie wir unseren Erfahrungen mittels sprachlichen und nicht-sprachlichen Strukturen Sinn und Bedeutung einhauchen.
Erwachsene verfügen nicht einfach über mehr Wissen und mehr Fähigkeiten als Vorschulkinder. Sie sehen die Welt vielmehr mit ganz anderen Augen: auf immer komplexerere und umfassenderere Art und Weise. Aufgrund der Neuroplastizität des Gehirns ist die persönliche und die kollektive Entwicklung von uns Menschen nicht ein für alle Mal festgelegt. Wir sind zu lebenslangem Wachstum fähig. Die zunehmenden Feinheiten unserer Sprachen1 und vor allem die Fähigkeit, empathisch und kognitiv Perspektiven zu wechseln, d. h. uns in die Schuhe anderer einzufühlen und einzudenken, sind der Motor unserer persönlichen und kulturellen Entwicklung. (Zur Bedeutsamkeit der Empathie beim Verstehen anderer – siehe hier)

Wie Innere Friedenskonferenz und Zen-Meditation diese Fähigkeiten je neu nachhaltig fördern können zu immer neuen Ebenen von Reife, Einsicht, Weisheit und Mitgefühl, sind Themen dieses und der weiteren Blogbeiträge. Weiterlesen