Schlagwort-Archive: Innerer Frieden

Brahmaviharas – die vier grenzenlosen Zustände

Autor: Peter Widmer

Brahmaviharas – (c) Peter Widmer

Unsere inneren Haltungen/Zustände/Anteile bestimmen, was wir wahrnehmen, wie wir uns fühlen, wie wir über das Wahrgenommene denken, was wir wollen und wie wir handeln. Sind wir beispielsweise in einer glücklichen Stimmung, nehmen wir die Welt ganz anders wahr, als wenn wir traurig sind. Sind wir im Stress und im Modus des „Funktionierens“ unterwegs, nehmen wir die Welt ganz anders wahr, als wenn wir in Gelassenheit ruhen.
Innere Haltungen lassen sich nachweislich wie Muskeln trainieren. Wir können sie uns als Dispositionen in der Meditation antrainieren. Die sog. vier grenzenlosen Zustände (Pali: Brahmaviharas) sind solche inneren Haltungen. Obwohl sie aus dem indischen Kulturraum stammen, handelt es sich doch um allgemeinmenschliche Einstellungen. Es sind: Liebe/Freundschaft/liebevolle Güte (Pali: metta), Gelassenheit/Gleichmuth (Pali: uppekka), Mitgefühl (Pali: karuna) und Freude/Mitfreude (Pali: mudita). Woher sie stammen, wie wir sie kultivieren können und was sie bewirken können findet sich in diesem und den folgenden Blogbeiträgen.

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James E. Marcia: Berufswahl, sexuelle, politische und ideologische Identität

Autor: Peter Widmer

James E. Marcia (State Univ. New York)

Wie Jugendliche ihre berufliche Rolle, aber auch ihre sexuelle, politische und ideologische Identität finden, beschreibt der Entwicklungspsychologe James E. Marcia.
Sein Modell lässt sich nicht nur auf Jugendliche anwenden, sondern auch auf Erwachsene, da wir in unserer heutigen Gesellschaft, in der sich Berufsbilder, aber auch andere Rollenidentitäten, die wir in unserem Leben einnehmen, schnell wandeln und uns in eine Identitätskrise stürzen können, beispielsweise durch Jobverlust, Neuausrichtung in der Arbeitswelt, in Beziehungskrisen oder im Übergang vom Muttersein zurück in die Arbeitswelt.
Innere Friedenskonferenz (IFK) und Meditation können diese Prozesse unterstützen zugunsten einer gelingenden Identitätsfindung.
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Mitgefühl trainieren – Tania Singers ReSource Studie

Autor: Peter Widmer

Teilearbeit & Meditation für eine globalisierte Welt


Prof. Dr. Tania Singer (Direktorin der Abteilung für Soziale Neurowissenschaft am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig) im Gespräch mit Gert Scobel

Mitgefühl lässt sich trainieren! Das von Tania Singer initiierte ReSource-Projekt am Max Plank Institut in Leipzig ist die umfangreichste und längste Meditationsstudie, die es bisher gegeben hat. Tania Singer hat in dieser Studie verschiedene Meditationsarten miteinander verglichen, um zu erkennen, welche wie wirkt. Sie wollte herausfinden, wie sich neben Achtsamkeit auch Mitgefühl, Perspektivenübernahme und eine universalistische ethische Haltung  am besten schulen lassen. Die ersten Resultate liegen nun vor. 1
Interessanterweise wurde in dieser Studie Teilpersönlichkeitsarbeit –  Innere Friedenskonferenz – mit Meditationspraktiken verwoben. Tania Singer weist nach, wie wirkungsvoll diese Komination Basisfähigkeiten sozialer Intelligenz, die zentral sind für eine globalisierte Welt, fördern kann. Die Resultate dieser Studie zeigen eindringlich, dass es ein Erfordernis unserer Zeit ist, Zen mit Teilearbeit und Mettameditation zu verbinden, wie ich das schon seit einiger Zeit in meinen Kursen und Seminaren anbiete. Weiterlesen

Gefühlszensur und Psychologie in spirituellen Traditionen

Autor: Peter Widmer

Katharina Ceming

In diesem dritten Teil des Gesprächs mit Katharina Ceming geht es um die Rolle von Gefühlen in spirituellen Traditionen. In der Regel werden sog. „positive“ Gefühle und Haltungen wie Liebe, Mitgefühl, Glücksgefühle, Gelassenheit, Gleichmut, Vergebung etc. höher bewertet und gefördert und sog. „negative“ Gefühle wie z. B. Unzufriedenheit, Frustration, Wut, Ärger und Hass etc. als etwas zu Überwindendes betrachtet, was nicht sein sollte. Es gibt also tendenziell eine Gefühlszensur in spirituellen Traditionen.
Die moderne Psychologie hingegen sieht gerade auch in solch „negativen“ Gefühlen wichtige Informationen, die unserem Wachstum dienen können, wenn es uns gelingt, mit ihnen in Kontakt zu sein, anstatt sie zu verdrängen. Und obwohl es in spirituellen Traditionen auch meist eine Art von „Psychologie“ gibt, fehlt jedoch das Konzept der Verdrängung, wie wir es seit Freud kennen. Überdies kann eine spirituelle Praxis selbst zu einem Mittel der Verdrängung werden.
Eine moderne, wahrhaft ganzheitliche Spiritualität tut daher gut daran, die Informationen sog. „negativer“ Gefühle und die Aufarbeitung von Verdrängtem mit einzubeziehen. Denn nur auf diese Weise wird persönliches Wachstum wirklich möglich. Weiterlesen

Leiblichkeit und Weiblichkeit in spirituellen Traditionen

Autor: Peter Widmer

Katharina Ceming

In diesem zweiten Teil des Interviews mit Katharina Ceming geht es um die Rolle des Körpers / der Leiblichkeit und damit einhergehend, der Weiblichkeit in spirituellen Traditionen. Nicht nur unsere westliche Kulturgeschichte, auch die Kulturgeschichten der Spiritualitäten lassen sich, mit wenigen Ausnahmen, als Verdrängungsgeschichten des Leiblichen und Weiblichen diagnostizieren.
Eine moderne, wahrhaft ganzheitliche Spiritualität tut gut daran, diese beiden bislang verdrängten Dimensionen des Menschseins mit einzubeziehen, denn Körper und Geist / Seele, männlich und weiblich wirken stets wechselseitig aufeinander ein, sowohl im einzelnen Menschen, als auch in unserer Gesellschaft, in Familien und am Arbeitsplatz. Weiterlesen

Das Ende ist mein Anfang

Autor: Peter Widmer

„Das wichtigste ist erreichbar. Sein ganz eigenes Leben zu leben. Ein Leben das nur dir gehört, in dem du dich wieder erkennst.“
Tiziano Terzani

Tiziano Terzani (1938-2004), langjähriger Asienkorrespondet beim SPIEGEL, hat kurz vor seinem Tod zusammen mit seinem Sohn Falco Terzani berührende Gespräche über sein Leben geführt, die unter dem Titel Das Ende ist mein Anfang als Buch und als Film erschienen sind – mit Bruno Ganz in der Hauptrolle.
Terzani war ein weltweit bekannter Journalist und Schriftsteller, der 1997 an Krebs erkrankte. Neben der westlichen Medizin beschloss er, sich auch alternativer Heilmethoden zu bedienen und offensiv mit seiner Krankheit umzugehen, sie zu erforschen und über sie zu berichten, wie er zuvor als Journalist über Krisen in der Welt geschrieben hatte. 1999 zog er sich in den Himalaya zurück in ein buddhistisches Kloster, um zu meditieren. Dies hat seinen Umgang mit der Krankheit verändert. Weiterlesen

Lawrence Kohlbergs Stufen der Moralentwicklung

Lawrence Kohlberg

Lawrence Kohlberg (1927-1987) war Entwicklungspsychologe und Professor für Erziehungswissenschaften an der Harward Universität. 1958 begann er mit Längsschnitt- und interkulturellen Studien über die Moralentwicklung, d. h. er untersuchte Menschen über Jahre hinweg bezüglich ihrer Moralentwicklung in unterschiedlichsten Kulturen.
Seit 1973 hat Kohlberg auch über mystisch-religiöse, metaphysische Erfahrungsformen nachgedacht und diese in sein Konzept der Moralentwicklung integriert.1
Kohlberg unterscheidet sechs Stufen des moralischen Urteilens und eine sog. „7. metaphorische Stufe“.
Moralisches Urteilen ist für ihn ein vorwiegend kognitiver Prozess. Allein die späteste Entwicklungsstufe ist nicht kognitiv. Es handelt sich vielmehr um ein mystisches Erlebnis, bei dem der Mensch sein Ego transzendiert in Richtung einer non-dualen Erfahrung. Dieses nicht-sprachliche Erlebnis muss nach Kohlberg jedoch kognitiv gedeutet werden, damit es dem Leben Sinn, Orientierung, einen Wert und eine moralische Richtung gibt, im Sinne eines höheren, ewigen, natürlichen Rechts.  Weiterlesen

Viva la revolución del altruismo!

Autor: Peter Widmer

Trailer zum Film: The Altruism Revolution

Unser Planet ist wie ein grosses Schiff, das wir gemeinsam steuern. Werden wir bald 300 Mio. Klimaflüchtlinge auf  diesem Schiff haben? Die Menge der Immigranten wäre womöglich Lampedusa hoch 10. Oder kommt es zu unvorstellbaren Konflikten? Wollen wir bloss überleben oder ein gutes, menschenwürdiges Leben führen?
Angesichts der allseits bekannten, weltweiten Probleme stellt sich vielleicht dringlicher denn je die Frage: Sind und bleiben wir Egoisten oder brauchen wir nicht vielmehr eine altruistische Revolution?!
Kinder im Alter zwischen 18 Monaten bis 2 Jahren helfen anderen ganz natürlich, egal ob diese zur eigenen Familie oder zur eigenen Gruppe gehören oder nicht. Im Laufe des Älterwerdens geht dieses natürlich angelegte prosoziale Verhalten weitgehend verloren. Verhaltens- und Sozialwissenschaftler haben in der Vergangenheit betont, dass die einzige Motivation menschlichen Handelns der Egoismus sei, selbst dann, wenn wir anderen helfen. Doch neuere Forschungen in Entwicklungspsychologie, Biologie und Neurologie machen immer mehr deutlich, dass dies nicht der Fall ist. Nicht nur Menschen, auch zahlreiche Tiere handeln aus Empathie, Mitgefühl und altruistischen Gründen!

Modernste neurologische Untersuchungen Meditierender zeigen klar und deutlich, dass persönliche Transformation möglich ist. Aufgrund der Neuroplastizität des Gehirns lassen sich durch Meditation Empathie, Mitgefühl und prosoziales Verhalten trainieren.   Weiterlesen

Verlust und Wiedergewinnung von Mitgefühl

Autor: Peter Widmer

Empathie und Mitgefühl lassen sich trainieren!

Empathie ist die emotionale Grundlage für unsere Fähigkeit, uns in die Fusstapfen anderer zu stellen und ihre Sichtweise nachzuvollziehen. Empathie und Mitgefühl sind die Grundlagen für wertschätzende Beziehungen, persönliches Wachstum, Zusammenarbeit, Demokratie und eine friedliche Gesellschaft.
Empathie und Mitgefühl fördern die eigentlich menschlichen Qualitäten in uns, die unser Leben lebenswert machen: konstruktive, beglückende zwischenmenschliche Wechselwirkungen in Freizeit, Familie und am Arbeitsplatz.
Doch Mitgefühl und Empathie gehen partiell, situativ und in Extremfällen für immer verloren, wenn die körperlichen und die existenziellen sozialen Bedürfnisse von Menschen missachtet werden.

Wie Mitgefühl und Empathie durch Innere Friedenskonferenz und Meditation wiedergefunden und gestärkt werden können, ist Thema dieses Blogbeitrags. Weiterlesen

Selbstmitgefühl versus innerer Selbstkritiker

Autor: Peter Widmer

Die Praxis liebevoller Güte uns selbst gegenüber

Metta-Meditation

In Wechselwirkung mit der Inneren Friedenskonferenz ist die Metta-Meditation ein wunderbares Mittel, um mit dem inneren Kritiker/der inneren Kritikerin Frieden zu schliessen. (Zum inneren Kritiker siehe auch hier; zur Metta-Meditation siehe auch hier)
„Metta“ (Pali) bedeutet „liebevolle“ oder „liebende Güte“. In der Metta-Meditation können wir uns liebevolle Güte uns selbst gegenüber schenken und auf diese Weise eine Seite in uns stärken, die einen wichtigen Gegenpool zum inneren Kritiker/zur inneren Kritikerin darstellt: Selbstmitgefühl.1 Weiterlesen