Was ist Innere Friedenskonferenz (IFK)?

von Peter Widmer

Die Innere Friedenskonferenz (IFK) entstand aus der langjährigen Zusammenarbeit mit Burghard Lippke. In der IFK verbinden wir mit spielerischer Eleganz und Tiefgang verschiedenste Methoden der Teilearbeit zu einem neuen, flexiblen Ansatz.

Was sind innere Anteile?

„Zwei Seelen schlagen, ach! in meiner Brust.“ (Goethe, Faust)
„Jeder Mensch ist eine kleine Gesellschaft.“
(Novalis, Blütenstaub)

Innere Anteile sind innere Zustände, Tendenzen, Seiten, innere Haltungen, Teile oder Teilpersönlichkeiten.
Innere Zustände ändern sich laufend und so macht es doch einen Unterschied, ob wir mit unserem Partner/unserer Partnerin, unserem Chef oder unseren Kindern zusammen sind – oder ob wir Sport treiben, für eine Prüfung lernen oder uns verlieben. Und wer kennt die folgenden Teile oder Seiten in sich nicht?! – Z. B. den „inneren Antreiber“, der uns zu Leistung anspornt oder den „inneren Perfektionisten“, dem nichts gut genug sein kann oder den „Teil, der vor anderen gut dastehen“ möchte und es am liebsten allen recht machen möchte oder ein „Teil, welchem Werte, Normen und Prinzipien“, nach denen wir handeln, wichtig sind. Letzterem gegenüber steht dann oft das „Lustprinzip“, d. h. ein Teil, der nach Lust und Laune gerade machen möchte, was es will, egal was die anderen denken – diese Beispiele lassen sich beliebig fortsetzen. Interessanterweise hat jedes Teil…

  • seine eigene Sicht der Dinge
  • eigene Gefühle, Ängste und Sorgen
  • einen eigenen verbalen und nonverbalen Ausdruck
  • seine eigene Geschichte
  • und verfolgt eigene Ziele und Anliegen

Wenn wir uns so betrachten, dann haben wir nicht nur einen Teil, auch nicht bloss „zwei Seelen“, sondern „eine kleine Gesellschaft“ von Teilen in uns. Dieses System der Teile in uns organisiert sich in „inneren Teams“ (Schulz von Thun). Man könnte auch sagen, einem „inneren Familiensystem“ (Richard Schwarz) oder einem „inneren Orchester“.

In unserem Alltag halten wir dieses innere Orchester für unser „Ich“ oder unsere „Persönlichkeit“. Unsere Persönlichkeit ist das, was die anderen in uns sehen und wie wir uns selbst sehen. Doch aus der Sicht der Teilearbeit ist dieses „Ich“, diese Persönlichkeit aus einem System von Anteilen zusammengesetzt.

Im folgenden Video zeigt der Kommunikationspsychologe Schulz von Thun, dass dieses innere Team wesentlich ist für konstruktive Kommunikation. Teilearbeit ist für ihn eine „Schlüsselqualifikation“ im Umgang mit sich selbst und anderen, sowohl im persönlichen, als auch im beruflichen Umfeld. Wir können vom Reichtum innerer Anteile in allen Lebenslagen profitieren. Sehen sie dazu folgendes Video…

Zusammenfassung
Für Schulz von Thun ist es wesentlich für erfolgreiche Kommunikation, dass wir „in Übereinstimmung mit uns selbst“ kommunizieren. Da jedoch „viele Seelen“ als „tatendurstige Gesellen und Stimmungsmacher in unserer Brust wohnen“, ist es nötig, diese zu erkennen und zu verstehen, um diese Übereinstimmung mit uns selbst je neu herzustellen. Innere Pluralität ist für Schulz von Thun „ein normales, alltägliches menschliches Phänomen. Eine Not und eine Tugend zugleich“. Eine „Not“, da die inneren Teile oft nicht dasselbe wollen und sich uneinig sind; und eine potentielle „Tugend“, wenn es uns gelingt, die Weisheit der vielen Teile zusammen zu bringen, denn jedem Teil gelingt es, „einen Zipfel der Wahrheit“ zu erfassen. Durch die Bewusstmachung der Weisheit und der Fähigkeiten der einzelnen Teile kann hier eine „innere Synergie“, eine „innere Teamleistung“ entstehen, so dass wir in unserem persönlichen und beruflichen Alltag von diesem inneren Reichtum „profitieren können“. Menschlich kommt es darauf an, „mit sich selber ein bisschen mehr ein Herz und eine Seele zu werden“ und „in gute Gesellschaft zu kommen“. Denn mit uns selbst leben wir zeitlebens zusammen und mit uns selbst befreundet und in Einklang zu sein ist ein wichtiges menschliches Ziel. Auch im Beruf ist „der Umgang mit der inneren Pluralität hochbedeutsam“. So kommt es insbesondere darauf an, in herausfordernden Situationen mit seinem inneren Team gut aufgestellt zu sein. Nur so sind erfolgreiche zwischenmenschliche Kommunikation und berufliche Spitzenleistungen möglich.

Ein Alltagsbeispiel
Ein Lehrer vor seiner Klasse benötigt sowohl einen strukturierenden Ordnungsteil, der Disziplin und Ordnung in seine Klasse bringt. Er braucht aber auch einen Teil, der herzlich, verständnisvoll, einfühlsam und kinderliebend ist. Dann braucht er aber auch einen strengen Teil, der sich abgrenzen kann, „Nein!“ sagen kann und der auch mal was fordern kann. Dann braucht er auch noch einen Teil, der für eine Überraschung und ein bisschen Lebendigkeit im Unterricht sorgt, einen „bunten Vogel“.
In diesem kleinen Beispiel wird deutlich, dass da vier verschiedene Teile ein Team bilden, wenn der Lehrer seiner Rolle gerecht werden will.

Wollen Sie herausfinden, mit welchem inneren Team Sie bei den Herausforderungen Ihres Alltags am besten aufgestellt sind? – hier der Link zu unseren Kursen oder über „Kontakt“ zu einem Probecoaching.

Wie entstehen innere Anteile?

Einerseits entstehen innere Teile aufgrund unserer angeborenen Anlagen, Talente und Charaktereigenschaften. Introvertierte Menschen beispielsweise wenden ihre Energie und Aufmerksamkeit eher auf ihr Innenleben und bevorzugen eine ruhige Umgebung, z. B. die eigene Wohnung, Bibliotheken, Parks, Wälder. Extravertierte hingegen sind sehr nach aussen gewandt und empfinden den Austausch und das Handeln mit anderen als anregend. Sie gelten als gesprächig, aktiv, dominant und enthusiastisch in ihrem Auftreten.

Andererseits entstehen Anteile seit unserer frühsten Kindheit durch unser soziales Umfeld und die Art und Weise, wie wir uns dem anpassen. Als Kinder sind wir hilflos und abhängig von den uns umgebenden Bezugspersonen, die uns unsere Bedürfnisse erfüllen. Und wir lernen, welche unserer Verhaltensweisen von den Menschen um uns herum akzeptiert werden und welche nicht. Daraus entstehen Muster, Tendenzen, Verhaltensweisen, die wir mehr und mehr leben und solche, die wir mehr und mehr unterdrücken. Es entstehen unsere verschiedenen Seiten.

Als Kinder sind wir abhängig von unseren wesentlichen Bezugspersonen und verletzlich. Und wenn wir uns als Kinder verletzt fühlen, so entstehen einerseits beschützende Teilpersönlichkeiten, die uns vor dem Schmerz, dem Ohnmachtsgefühl, der Hilflosigkeit oder dem Gefühl von Scham, Schuld etc. schützen. Und andererseits verletzte Anteile, die wir – durch die inneren Beschützer – verdrängen.

Teile-Arten: Exilanten, Beschützer, Feuerbekämpfer

Mit Richard Schwartz unterscheiden wir zwischen inneren Exilanten, d. h. verdrängten Teilen, die in der Verbannung leben und Beschützern. Zu den Beschützern zählt Schwartz sog. Managerteile und Feuerbekämpfer (siehe: 3:17ff Min.). Im folgenden Video erläutert Schwartz, wie er als Familientherapeut begann und das Konzept der inneren Familie entwickelte… (siehe: 00-3:17 Min.)…


Exilanten sind Teile, die biografisch erlittene Schmerzen und Gefühle der Ohnmacht, der Hilflosigkeit und des Ausgeliefertseins ertragen. Es sind verletzte Teile. Wenn die Verletzung früh stattfand sind es verletzte Kinder. Wenn sie biographisch später stattfanden sind es verletzte Jugendliche oder verletzte Erwachsene. Wenn Exilanten in unserem Leben das Bewusstsein beherrschen, treten die erlittenen Schmerzen und schrecklichen Gefühle von früher erneut ins Bewusstsein. Um den Kontakt mit den schmerzvollen Exilanten-Teilen zu vermeiden und um Situationen und den Alltag meistern zu können, entwickeln sich Beschützerteile. Eine Art von Beschützern bezeichnet Richard Schwarz als „Managerteile“. Diese sind damit beschäftigt, die schmerzvollen, verletzten Exilanten in der Verbannung zu halten. Wenn dies den Managerteilen einmal nicht gelingt und ein Exilant ausbricht, können sog. „Feuerbekämpfer“ in Aktion treten, die mit allen Mitteln versuchen, die schrecklichen Gefühle der Verbannten zu unterdrücken. Sie tun dies oft durch unkontrollierte, impulsive Verhaltensweisen wie beispielsweise einen lauten, unkontrollierten Wutausbruch, plötzlicher Gewalt, zu viel essen, zu viel arbeiten, zu viel vor dem Computer sitzen, zu viel Video Games, zu viel Fernsehen, ausuferndes Sexualverhalten, Drogen- oder Medikamentenmissbrauch, Selbstverletzung, etc. Die Feuerbekämpfer fixieren also die Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Verhalten, das dadurch zu einer Anhaftung, einer Sucht wird. Während also Exilanten ins Exil weggesteckte, verdrängte Teile sind, dienen Feuerbekämpfer und Managerteile dazu, uns vor dem Kontakt mit den Exilanten zu schützen.

Was das Teilekonzept deutlich macht: innere Ambivalenzen, Entscheidungsunfähigkeit, Zerrissenheit, zwischenmenschliche Konflikte

Wenn wir davon ausgehen, dass verschiedene Seiten, Teile in uns das Sagen haben, dann wird wirklich deutlich, wieso…

  • wir uns einer Sache oder einem Menschen gegenüber ambivalent oder zerrissen fühlen – unterschiedliche Anteile haben unterschiedliche Sichtweisen
  • wir gewisse Dinge tun, die wir eigentlich gar nicht tun wollen – ein Anteil in uns will, ein anderer will nicht
  • es uns so schwer fällt, uns zu verändern – ein Teil oder ein Team von Teilen in uns möchte etwas verändern, ein anderer Teil oder ein anderes Teileteam möchte, dass alles so bleibt, wie es ist
  • wir bestimmte Dinge nicht können oder ein Problem nicht lösen können – weil wir uns das Teil, das dies könnte oder das das Problem zu lösen imstande wäre, bisher nicht angeeignet haben
  • wir uns in manchen Situationen nicht entscheiden können oder wie gelähmt fühlen – die verschiedenen Seiten in uns befinden sich gerade in einer Pattsituation
  • wir uns innerlich zerrissen fühlen, ein inneres Durch- und Gegeneinander erleben oder uns extrem widersprüchlich verhalten können – die unterschiedlichen Seiten in uns befinden sich in einem Streit oder gar einem inneren Krieg
  • wir uns in gewissen Situationen auf eine Art und Weise verhalten, die uns selbst fremd und ungewohnt ist – Es gibt Teile in uns, die andere Teile in uns nicht haben wollen und die wir weggesteckt, verdrängt oder verbannt haben. Diese Verbannten oder Kellerkinder betreiben Muskeltraining im inneren Keller, in den sie weggesteckt wurden, und können uns hinterrücks im Alltag aus heiterhellem Himmel überfallen, ohne dass wir mit ihnen gerechnet hätten

Neurologische Grundlagen des Teilekonzepts

Im folgenden Video erläutert Gunther Schmidt, der die sog. Hyponosystemische Teilearbeit entwickelt hat, die neurologischen Grundlagen des Teilekonzepts …

Die Annahme, dass wir verschiedene Seiten oder Teile in uns haben lässt sich nach Gunther Schmidt heute neurologisch und durch die Gedächtnisforschung gut belegen. Die Gedächtnisforschung spricht vom biographischen, autobiographischen oder episodischen Gedächtnis. Wenn eine Gedächtnisepisode emotional geladen ist, wird ein eigenes Erlebnisnetzwerk aufgebaut. Gehirnzellen die miteinander feuern vernetzen sich und vernetzte Zellen feuern miteinander. So gesehen haben wir nicht eine Vergangenheit, sondern viele Vergangenheiten. Unser Erleben entsteht immer in der Gegenwart. Das Gehirn kennt im Grunde genommen keine Vergangenheit und auch keine Zukunft. Da gibt es nur Bilder in der Gegenwart. Die nennen wir dann Vergangenheit oder Zukunft. Die Filme die in uns in der Gegenwart ablaufen, die bestimmen unser Erleben, ja die aktivieren ein Erlebnisnetzwerk aus dem riesigen Repertoir von Tausenden von solchen Netzwerken. Da driften wir so gesehen an einem Tag von einem Teil zum nächsten. Manchmal fühlen wir uns stark und mutig, dann wieder locker, dann wieder ängstlich, dann gelangweilt, etc. und das alles an einem Tag. Wir sind multiple Ichs und können Ambi- und Multivalent sein.

Wertschätzung und Mitgefühl als Schlüssel in der Teilearbeit

Sämtliche Teile, ob es Feuerbekämpfer, Managerteile oder Exilanten sind, haben eine positive Absicht, auch wenn diese nicht immer auf den ersten Blick erkennbar ist. Die positive Absicht eines Feuerbekämpfers ist zunächst meist schwer zu erkennen. Geht man jedoch zurück in der Geschichte, in die Zeit, in der er entstanden ist, so wird meist die positive Absicht zu jenem Zeitpunkt deutlich. Alle Teile eines Menschen beabsichtigen etwas Positives für den Betreffenden oder die Betreffende. Und sie entwickeln unterschiedliche Strategien im inneren System, um ihren Beitrag zu leisten. Und sie entwickeln ein komplexes System von Interaktionen untereinander. Mit den Teilen, mit welchen ein Mensch überidentifiziert ist, die müssen sozusagen schwer arbeiten. Sie übernehmen „Lasten“ und entwickeln oft extreme oder einseitige Emotionen, Überzeugungen und Phantasien.
In der Teilearbeit sind Wertschätzung und Mitgefühl daher die Schlüsselqualifikationen, um mit Teilen zu sprechen, sie zu verstehen, mit ihnen zu verhandeln und sie von der Last ihrer Extreme zu befreien.
Wertschätzung und Mitgefühl sind Schlüsselqualifikationen, um sowohl mit eigenen Teilen, als auch mit denen anderer konstruktiv umzugehen.
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