Zen-Meditation und Dissoziation

Autor: Peter Widmer

Dissoziation – Quelle: Emiliano Grusovin/Flickr

Immer wieder finden Menschen zur Meditation, die in ihrem Leben traumatische Erfahrungen gemacht haben. Manchmal wissen sie davon und manchmal können sie sich nicht daran erinnern. Oftmals ist das Motiv, zu meditieren, eine grosse Sehnsucht nach Heilung, Geborgenheit, Befreiung. Lange Sitzmeditation kann das Körpererleben stark verändern. Die Wahrnehmung des Körpers kann sich auflösen. Daher kommt es immer wieder vor, dass traumatisierte Menschen, gerade wenn sie von ihrer Traumaerfahrung Kenntnis haben und schon sehr therapieerfahren sind, ins Einzelgespräch kommen und sagen: „Dieses unbewegliche Sitzen und diese körperlosen Zustände, die ich in der Meditation erlebe, bringen mich in Kontakt mit meinen Erinnerungen an traumatische Situationen. Diese Meditation verstärkt meine eh schon grosse Tendenz, aus dem Körper zu „switchen“, nicht mehr mit mir in Kontakt zu sein, mich nicht mehr zu spüren. Diese Zustände sind mit der Angst begleitet, von unguten Gefühlen aus der Vergangenheit überschwemmt zu werden! Ich glaube nicht, dass mir diese unbewegte, lange Sitz-Meditation wirklich guttut!“ Davon handelt dieser Blogbeitrag.

Was ist Dissoziation?

Dissoziation bedeutet, dass zwischen Erlebnissen, die zusammengehören, plötzlich geschlossene, scheinbar undurchdringbare Grenzen entstehen, so dass das, was vorher noch zusammengehörte nun voneinander abgetrennt ist. Aus Sicht der Teilearbeit kann man sagen, dass es sich um Persönlichkeitsanteile handelt, die voneinander abgespalten werden. Diese Abspaltung kann unterschiedlich intensiv sein. Sie hat Grade. Dabei sind Wahrnehmungen, Gefühle, Gedanken, Erinnerungen und Verhaltensweisen, die zuvor miteinander verbunden und in Kontakt waren, nicht mehr miteinander in Verbindung.
Wenn jemand beispielsweise erzählt, dass er oder Sie einen unangenehmen Konflikt mit dem Partner oder der Partnerin hatte und man fragt nach, was denn genau geschehen sei und was die andere Person genau getan oder gesagt hat, dann kann sich die Person nicht mehr an das Verhalten der anderen Person erinnern und auch nicht daran, wie sie sich selbst dabei wahrgenommen hat und wie sie sich gefühlt hat. Gerade unangenehme, schmerzhafte Erinnerungen werden vergessen, abgespalten und dies nicht bloss im Nachhinein, sondern oft auch schon in der unangenehmen Situation selbst. Selten sind wir z. B. in Konflikten wirklich mit unserer Verletztheit in Kontakt, sondern mit unserer Wut oder wir gehen aus dem Kontakt, ziehen uns zurück, schweigen oder erstarren oder gehen in Trance und aus unserem Körper und fühlen uns sprachlos. Dies umso mehr, je unangenehmer eine Situation ist, bis hin zu traumatischen Erlebnissen, bei denen Menschen schmerzhafte, unerträgliche Ereignisse vollkommen ausblenden, wegzoomen und hinterher vollkommen vergessen können. Man spricht in diesem Zusammenhang von „dissoziativer Amnesie“. Meist findet also eine Einschränkung oder Einengung des Bewusstseins, eine Trance oder Absorbtion statt, wobei ein bestimmtes Erleben in den Vordergrund der Aufmerksamkeit rückt und alles andere vollkommen in den Hintergrund geht, ja ausgeblendet wird. Danach kann es beispielsweise zu Einschränkungen im emotionalen Empfinden kommen, Einschränkungen in der Bewegungsfähigkeit oder Einschränkungen des Seh-, Hör-, Riech- und Empfindungsvermögens. Oder man lebt fast ausschliesslich in Hoffnungen, die die Zukunft betreffen, in Erinnerungen an die Vergangenheit, oder ausschliesslich in der Gegenwart oder verliert sich andauernd in Phantasien, Tagträumen oder Gedanken, die alle und keine Zeiten betreffen. Häufig gehen Dissoziationen auch einher mit verändertem Körpererleben. Ganze Körperteile können wie abgetrennt oder von eigenen Einflussmöglichkeiten unabhängig erlebt erden. Und wir können die Erfahrung der Ablösung vom Körper-Selbst machen und sind dabei nicht mehr mit unserem Körper, seinen Empfindungen, Stimmungen, Gefühlen und Bedürfnissen in Kontakt. Wir sind dann reiner, körperloser Beobachter.

Sind dissoziative Zustände normal?

Dissoziationen aller Art durchziehen unser tägliches Erleben, meist ohne dass wir uns dessen bewusst werden.1 Wenn wir vor dem Computer sitzen, gamen oder in einem Flowzustand arbeiten, sind wir meist dissoziiert von anderen Anteilen, z. B. dem Anteil «gutes Elternteil» oder «guter Partner» und wir dissoziieren von unserem Körper-Selbst mit seinen Empfindungen, Gefühlen, Bedürfnissen z. B. nach Trinken, Essen, Bewegung, etc. Auch wenn wir abends mit einer Tüte Chips vor dem Fernseher sitzen oder ein Buch lesen und innerlich mitgehen mit den Gefühlen, Wünschen und Handlungen der Protagonisten, dissoziieren wir von unserem eigenen Körper. Oder wenn wir im Zahnarztsessel sitzen und während dem Bohren an unseren letzten Südseeurlaub denken und versuchen die Bilder lebhaft herbeizuholen, damit der Schmerz in den Hintergrund rückt, dissoziieren wir. Auch bei Routinearbeiten oder beim Baden, Duschen, Schwimmen, Tanzen, beim Sex, Musik hören und Musizieren, Rauchen können wir uns in eine dissoziierende Trance verlieren. Durch Rhytmik – egal in welchem Kontext, ob im Gesang, Tanz, im Spielen von Rhythmusinstrumenten, beim Joggen – kann eine dissoziative Trance ausgelöst werden. Dies wird sowohl in säkularen wie in religiösen Kontexten genutzt. Die Hypnotherapie, als therapeutisches Verfahren, arbeitet mit Dissoziation. Schamanistische Bessessenheitstrancen, ekstatische Gottesdienste sind Beispiele für kollektiv und kulturell initiierte dissoziative Erlebnisse. Darüber hinaus gibt es dissoziative Erlebnisse im Drogen- und Alkoholrausch. Meditation und Dunkelretreat sind weitere Erlebnisräume, in denen dissoziative Erlebnisse stattfinden können. Ausserkörperliche Erfahrungen beim Einschlafen oder während Nahtoderlebnissen sind dissoziativ. Und dissoziative Erlebnisse haben wir tagtäglich, indem wir einschlafen und die Verbindung zwischen Bewusstsein und unserem Körper – physiologisch im Pons (der sog. Brücke), also im ältesten Gehirnareal, dem Stammhirn – unterbrochen wird, damit wir unsere Träume nicht körperlich ausagieren und aus dem Bett fallen und uns und andere verletzen. Auch in unseren Träumen sind dissoziative Erlebnisse möglich, etwa wenn wir als körperloser Beobachter unser Traumselbst und die Situation, in der es sich befindet, von aussen sehen. Dissoziative Erlebnisse gehen meist einher mit der Entstehung eines reinen, körperlosen Beobachters.

Dissoziative Alltagserlebnisse sind zentral für unser Leben. Beim Dissoziieren können wir sehr kreativ sein, Probleme durchdenken, Lösungen finden, Tagträumen, damit Unangenehmes nicht so unangenehm erscheint, im Flow sein, um eine Arbeit zu erledigen, Hoffnungen und Wunscherfüllungen imaginieren, die beglückend sind und Erwartungen kultivieren. Alltägliche Dissoziationen sind meist ressourcenreiche Zustände.
Wir sind uns dissoziativen Alltagserlebnissen vielleicht nicht so bewusst, weil wir uns und unseren Körper dabei verlieren und wie ein spielendes Kind Zeit und Raum vergessen. Zudem sind wir bei dissoziativen Alltagserlebnissen meist neutral bis heiter und glücklich gestimmt. Stellen Sie sich ein Leben ohne alltägliche Dissoziation vor: kein Tagträumen, keine Flucht aus unangenehmen Situationen, keine Zeit für selbstvergessenes Spiel, keine Möglichkeit für tiefes Nachdenken, keine Selbstvergessenheit. Wäre das Leben auf diese Weise lebenswert?

Dissoziative Erlebnisse sind ein fester Bestandteil unseres Alltags und jeder Kultur. Sie haben unterschiedliche Grade. Die Tendenz oder Fähigkeit zu Dissoziieren ist ein Stück weit anlagebedingt. Es gibt Menschen, denen dies einfacher fällt. Meditation, aber auch äussere Umstände und traumatische Erfahrungen können die Tendenz zur Dissoziation fördern. Dissoziative Erlebnisse können angenehm, beglückend und erfüllend sein. Doch bei Traumata ist die Gestimmtheit und sind die Gefühle gerade umgekehrt: horrormässig!
Für traumatisierte Menschen kann es wichtig sein, zu wissen und für sich zu erkennen, dass Dissoziationen auch positiv, adaptiv, neutral, angenehm und sogar tief beglückend und somit Ressourcen für ihr Leben sein können. Denn meist haben traumatisierte Menschen auch positive Erlebnisse mit Dissoziation gemacht und können diese als Ressourcen bei der Bearbeitung von Traumata nutzen. Insbesondere der reine Beobachter kann eine grosse Ressource sein.

Trauma und Dissoziation

Belastende Ereignisse wie schwere Unfälle, Schicksalsschläge, Erkrankungen und Naturkatastrophen, aber auch Erfahrungen psychischer, körperlicher und sexueller Gewalt sowie schwere Verlust- und Vernachlässigungserfahrungen können tiefe Wunden in der Seele hinterlassen, die einen Menschen das Leben lang beeinträchtigen. Traumata können Dissoziationen verstärkend auslösen und eine verstärkte Tendenz zu Dissoziieren entstehen lassen, die mit den unguten traumatischen Wahrnehmungen, Empfindungen, Stimmungen, Gefühlen und Erinnerungen verbunden sein können.

In traumatischen Situationen werden uralte, instinkthafte Reaktionen in gang gesetzt, die unweigerlich ihren Verlauf nehmen ohne unsere bewusste Wahl. Dabei können unterschiedliche Anteile in uns entstehen: ein Kampf-Teil, ein Flucht-Anteil, eine Seite, die sich totstellt, Dissoziation, d. h. Flucht aus dem schmerzenden Körper in ein beobachtendes, vom Körper getrenntes Teil.
Die kämpfende und flüchtende Seite ist in traumatischen Situationen begleitet von hohen Erregungszuständen, die einhergehen mit der Ausschüttung von Adrenalin und Noradrenalin. Das sympathische Nervensystem ist schlagartig hoch aktiv. Der Blutdruck, die Pulsrate, die Atmung, der Muskeltonus steigen. Ein Mensch kann dadurch schier übermenschliche Kräfte haben. Das Dopaminerge und Serotonerge System verändert sich drastisch: Impulsivität, Affektivität und Aggressivität nehmen zu. Die Wachsamkeit ist übergross. Sind der Stress und die Gefahr, der Schmerz, die Ohnmacht, die innere Leere, die Hoffnungslosigkeit überwältigend, kippt das Gesamtsystem urplötzlich in sein Gegenteil: auf die ergotrophe Erregung des Nervensystems folgt schlagartig die trophotrope Dämpfung. Pulsrate, Atmung, Muskeltonus, Blutdruck fallen tief. Todstellreflex, Unbeweglichkeit des Körpers, Erstarren, Einfrieren sind die Folgen. Körpereigene Opiate werden ausgeschüttet. Schmerzen verschwinden. Eine Euphorie tritt ein, die Sinne sind hellwach, der Körper wie betäubt. Die Sinnes- und Körperwahrnehmung ist verändert. Das Ich ist identifiziert mit dem reinen, körperlosen Beobachter, der den eigenen Körper und den Kontext der Situation wie von aussen wahrnimmt. Die Perspektive verlegt sich in die Aussenwelt. Das ist keine bewusste Wahl. Dieser Prozess verläuft automatisch, denn die Erfahrungen im eigenen Körper sind vollkommen unerträglich.

Menschen, Kontexte und persönliche Veranlagungen sind sehr verschieden. Daher können die Wirkungen von Traumata sehr unterschiedlich sein. Häufig entsteht eine Seite, die sehr wachsam ist und genau beobachten und vorausahnen kann, ob eine Situation oder ein Mensch gefährlich werden könnte. Die Körpergrundspannung ist oft erhöht und die verletzlichen Seiten können viel empfindsamer reagieren, d.h. viel schneller getriggert sein, so dass es nicht viel braucht, um sich verletzt zu fühlen oder eine Verletzung persönlich zu nehmen und auf sich als Person zu beziehen. Scham- und Schuldgefühle können die Folge sein.

Zudem kann es zu sog. Trauma-Folgestörungen kommen, die unterschiedlichste Anteile hervorbringen können, wie z. B.: eine Seite, die sich bei zwischenmenschlichen Beziehungen sehr unsicher fühlt, sehr schüchtern ist oder die widersprüchlichste Tendenzen einem nahen Menschen gegenüber in sich vereint, die miteinander ringen, z. B. eine Seite, die die Tendenz hat aus der Beziehung gehen und eine, die die Tendenz hat, in der Beziehung und im Kontakt zu bleiben, eine Seite, die sich dem anderen unterwirft und eine Seite, die den anderen zu dominieren und den eigenen Wünschen und Bedürfnissen unterzuordnen versucht. Eine Seite kann entstehen, die aus dem Kontakt geht, eine flüchtende Seite aber auch eine agressiv kämpfende, sich wehrende Seite, eine sehr kritische Seite, sich selbst und anderen gegenüber, eine sehr emotionale, affektive Seite, eine stark rebellische Seite, eine Seite, die nicht mehr leben möchte, eine Seite, die selbstverletzend ist, um sich wieder spüren zu können, eine zu tiefst traurige Seite, eine ungeborgene Seite, die nicht weiss, wo sie hin gehört, ein Opfer-Teil, das sich bemitleidet und viele andere Anteile.

Es kann auch sein, dass all diese und andere Seiten in Ihrer Entwicklung aufgrund der traumatischen Erlebnisse erst einmal gebremst werden, weil der Selbstschutz an erster Stelle steht. Wachstum und Entwicklung setzt oft dann wieder ein, wenn die festen, starren Grenzziehungen und dominanten Teile wieder durchlässiger werden und ein Informationsaustausch zwischen den Erfahrungsbereichen wieder ins Fliessen kommt. So entsteht eine Integration von abgespaltenen Teilen. Bewusstheit und die Entwicklung des eigenen SELBST, des eigenen Zentrums, der eigenen Mitte können hierzu zentral sein. Innere Friedenskonferenz und Meditation können Wege sein, das SELBST zu stärken und die disperaten, unzusammenhängenden Teile zu integrieren.

Meditation, Trauma, Dissoziation und Innere Friedenskonferenz

In der Zen-Meditation entsteht die Dissoziation in einem ganz anderen Kontext, als während eines traumatischen Erlebnisses. Bei traumatischen Erlebnissen geschieht die Dissoziation unwillkürlich, gesteuert durch ein dramatisches Überlebensprogramm des Körpers bei dem ergotrophe Erregung schlagartig in trophotrope Dämpfung des Nervensystems umschlägt. Instinktive Programme: Flucht, Kampf, Todstellreflex und Dissoziation übernehmen. Daraus können entsprechende Persönlichkeitsanteile entstehen. Selbststeuerung, bewusste Wahl und Kontrolle bleiben in dem traumatisierenden Prozess auf der Strecke. Schmerz, Ohnmacht, Ausgeliefert sein, Hilflosigkeit, innere Leere, Horror dominieren – auch wenn dieses automatisch ablaufende Programm letztlich eine positive Seite hat: zu überleben. Daher erscheinen die Werte und Erfahrungen der Meditation: Entspannung, Vertrauen, Kontrolle loslassen, Vorurteilslosigkeit und uneingeschränkte Offenheit zunächst einmal nicht attraktiv für Menschen, die Traumata erlebt haben, denn sie machen verletzlich. Daher braucht es Mut, zu meditieren.

Meist fällt es Menschen mit schweren Traumata leichter, sich zunächst einmal auf achtsame Körper- oder Yogaübungen und Körpertherapie einzulassen, bevor Meditation an der Reihe ist. Nach innen geschlossene ruhende Körperhaltungen eignen sich anfangs besser, um innerlich zur Ruhe zu kommen, weil sie sich sicherer anfühlen, als das aufrechte, geöffnete Sitzen in Meditationshaltung. Geführte Meditationen, wie beispielsweise der Bodyscan, die Unterscheidung zwischen Wahrnehmungen, Empfindungen, Gefühlen und Gedanken können ein guter Einstieg sein, sich akzeptierend dem Zuzuwenden, was in uns vorgeht. Alle Achtsamkeitsübungen, die in MBSR-Kursen und entsprechenden Achtsamkeitstherapien vermittelt werden, können sehr unterstützend sein. Auch Achtsames Selbstmitgefühl (MSC) kann ein Weg sein, nicht nur akzeptierend, sondern mitfühlend und liebevoll mit sich selbst umgehen zu lernen.
Meist fällt traumatisierten Menschen ein liebevoller Umgang mit sich selbst sehr schwer. Und der Versuch, liebevoll mit sich selbst zu sein, kann unangenehme Erinnerungen wecken, zusammen mit der Trauer darüber, liebevolle Zuwendung vielleicht nie oder nie genug bekommen zu haben. Das ist schmerzhaft. Wie soll man sich liebende Güte selbst geben, wenn es aggressive innere Anteile gibt, die einen abwerten? Meist fällt es leichter, liebevolle Zuwendung anderen zu geben, als sich selbst. Wenn man auf diese Weise liebevolle Güte und liebevolle Zuwendung anderen gegenüber empfinden und geben kann, dann kann es einfacher werden, sie sich selbst zukommen zu lassen. Und was man nach aussen gibt, wirkt auf einen selbst zurück.

Meditation und Achtsamkeitstraining bedeutet, seine Aufmerksamkeit bewusst zu lenken, so dass sich diese Fähigkeit zur bewussten Aufmerksamkeitslenkung verbessert. Das kann als Zunahme innerer Freiheit erlebt werden und ein Gewinn von bewusster Wahl und Kontrolle über die eigenen inneren Prozesse. Das kann beruhigend sein für Menschen, die Traumata erlebt haben. Meditation, Achtsamkeit im Alltag und Innere Friedenskonferenz verbessern die Körperwahrnehmung. Sie fördern die Fähigkeit, Körperempfindungen und Emotionen wahrzunehmen, auszudrücken und automatische Reaktionen zu stoppen. Monika beispielsweise hatte alle möglichen Ängste. Sie hatte Angst, wenn ihr Mann zur Arbeit ging, dass ihm etwas zustossen könne. Sie hatte Angst, wenn ihre Kinder zur Schule gingen, dass ihnen ein Unglück widerfahren könnte. Ihre Ängste betrafen auch das Einschlafen. Sie hatte Angst davor, weil ihre Träume sehr unangenehm waren. Sie litt unter Schlafstörungen. In einer inneren Friedenskonferenz ging es darum, dieses angsterfüllte Teil besser kennen zu lernen. Wo im Körper es sich manifestiert, wie es sich anfühlt, wovor es sich ängstigt und was seine Befürchtungen wären, wenn es seinen Job nicht machen würde, was dann schlimmstenfalls seiner Meinung nach geschehen würde.

Zen-Meditation in Kombination mit Innerer Friedenskonferenz ist eine Möglichkeit, mehr mit sich und seinen Selbstschützenden Anteilen in Kontakt zu kommen, diese besser kennen zu lernen, sie wertzuschätzen und mit ihnen zu verhandeln. Gleichzeitig kann die Dissoziation in der Meditation positiv besetzt und als Ressource erfahrbar und mit ähnlichen ressourcenvollen Zuständen im Alltag verbunden werden. So können starre Grenzen sich im Laufe der Zeit langsam lockern. Veränderung, Wachstum, gelingendere zwischenmenschliche Beziehungen können an die Stelle von Überleben in engen Grenzen und sich wiederholenden zwischenmenschlichen Dynamiken treten.

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  1. Siehe dazu und zum Folgenden Lisa Butler: The Dissociations of Everyday Life, in: Journal of Trauma & Dissociation, Juli 2004, DOI: 10.1300/J229v05n02_01

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