Meditation im Schulunterricht

Autor: Peter Widmer

Eine Stunde Glück täglich in der Schule


Der Dalai Lama stellte zusammen mit Bildungspolitikern in Delhi am vergangenen Montag den neuen Schulplan vor. Mehr als 5.000 Lehrkräfte waren anwesend. Vom Vorschulunterricht bis zur achten Klasse erforschen die Kinder fortan an allen öffentlichen Schulen Delhis täglich in 45 minütigen Einheiten meditierend, spielend und diskutierend das Thema „Glück“. Ziel des Glücks-Curriculums ist die Förderung der Empathie, Erfahrungen von Glück, kritisches Denken und die Verbesserung von Sozialkompetenz und Kommunikationsfähigkeiten. Das Glücks-Curriculum hilft den Schülern, besser mit Stress umzugehen, es fördert soziales Bewusstsein und menschliche Grundwerte.1
Der Dalai Lama twitterte:

„Ich habe erkannt,“ sagte der Dalai Lama in seiner Ansprache, „dass wir viele der Probleme, denen wir heute gegenüberstehen, selbst hervorgebracht haben. Wir sind von Wut, Hass, Eifersucht und Argwohn geplagt und dennoch hat die moderne Bildung wenig zu bieten, um einen inneren Frieden zu erreichen. Sie orientiert sich an materiellen Zielen. Wo auch immer ich hingehe, mache ich auf die Unzulänglichkeiten moderner Bildung aufmerksam und darauf, dass sie es versäumt, innere Werte zu fördern. Wir sollten nicht nur die körperliche, sondern auch mentale Fitness fördern…
Die alten indischen Meditationspraktiken zur Kultivierung eines gelassenen Geistes (Shamatha) und Einsicht (Vipashyana) gaben Anlass zu einem tiefen und subtilen Verständnis der Funktionsweise des Geistes. Darüber hinaus förderte das alte, indische Wissen Mitgefühl und Gewaltlosigkeit (Karuna und Ahimsa). Dies sind die Grundlagen für Indiens bemerkenswerten Sinn für religiösen Pluralismus, bei dem viele religiöse Traditionen in Harmonie zusammenleben – was deutlich macht, dass dies möglich ist…“

Rede des Dalai Lama im Thyagraj Stadium in Neu Delhi am 2. Juli, 2018. Photo von Tenzin Choejor

„Der Zweck unseres Lebens ist es, glücklich zu sein. Wir leben ständig in dieser Hoffnung, glücklich zu sein. Doch das Glück und die Freude, welche auf sinnlichen Erfahrungen beruhen, sind kurzlebig. Die ultimative Quelle dauerhaften Glücks hingegen liegt im Bewusstsein selbst…
Obwohl in buddhistischen Texten Methoden und Wege aufgezeigt werden, unsere destruktiven Gefühle umzuwandeln, gibt es keinen Grund, warum wir dieses Wissen nicht auf säkulare, akademische Weise untersuchen können. Methoden zur Umwandlung unserer zerstörerischen Emotionen sind in der heutigen Welt sehr wichtig. Sie beinhalten keine Tempel, Rituale oder Gebete, sondern eine rationale Erziehung auf weltlicher Basis.“

Indien nimmt damit eine Vorreiterrolle in der Implementierung neuster Erkenntnisse der Meditationsforschung in den Schulunterricht ein. Der Dalai Lama äusserte am Ende seiner Rede die Hoffnung, dass dereinst vielleicht auch China ein solches Curriculum in seine Lehrpläne mit einbeziehen könnte. Mit Indien und China zusammen würden dann 2.5 Milliarden Menschen auf unserem Planeten eine solche Erziehung zu sozialen Kompetenzen, menschlichen Werten, Mitgefühl und Glück geniessen können.

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  1. Siehe dazu ausführlich hier.

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