Archiv für den Monat: April 2018

Mitgefühl trainieren – Tania Singers ReSource Studie

Autor: Peter Widmer

Teilearbeit & Meditation für eine globalisierte Welt


Prof. Dr. Tania Singer (Direktorin der Abteilung für Soziale Neurowissenschaft am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig) im Gespräch mit Gert Scobel

Mitgefühl lässt sich trainieren! Das von Tania Singer initiierte ReSource-Projekt am Max Plank Institut in Leipzig ist die umfangreichste und längste Meditationsstudie, die es bisher gegeben hat. Tania Singer hat in dieser Studie verschiedene Meditationsarten miteinander verglichen, um zu erkennen, welche wie wirkt. Sie wollte herausfinden, wie sich neben Achtsamkeit auch Mitgefühl, Perspektivenübernahme und eine universalistische ethische Haltung  am besten schulen lassen. Die ersten Resultate liegen nun vor. 1
Interessanterweise wurde in dieser Studie Teilpersönlichkeitsarbeit –  Innere Friedenskonferenz – mit Meditationspraktiken verwoben. Tania Singer weist nach, wie wirkungsvoll diese Komination Basisfähigkeiten sozialer Intelligenz, die zentral sind für eine globalisierte Welt, fördern kann. Die Resultate dieser Studie zeigen eindringlich, dass es ein Erfordernis unserer Zeit ist, Zen mit Teilearbeit und Mettameditation zu verbinden, wie ich das schon seit einiger Zeit in meinen Kursen und Seminaren anbiete. Weiterlesen

Gefühlszensur und Psychologie in spirituellen Traditionen

Autor: Peter Widmer

Katharina Ceming

In diesem dritten Teil des Gesprächs mit Katharina Ceming geht es um die Rolle von Gefühlen in spirituellen Traditionen. In der Regel werden sog. „positive“ Gefühle und Haltungen wie Liebe, Mitgefühl, Glücksgefühle, Gelassenheit, Gleichmut, Vergebung etc. höher bewertet und gefördert und sog. „negative“ Gefühle wie z. B. Unzufriedenheit, Frustration, Wut, Ärger und Hass etc. als etwas zu Überwindendes betrachtet, was nicht sein sollte. Es gibt also tendenziell eine Gefühlszensur in spirituellen Traditionen.
Die moderne Psychologie hingegen sieht gerade auch in solch „negativen“ Gefühlen wichtige Informationen, die unserem Wachstum dienen können, wenn es uns gelingt, mit ihnen in Kontakt zu sein, anstatt sie zu verdrängen. Und obwohl es in spirituellen Traditionen auch meist eine Art von „Psychologie“ gibt, fehlt jedoch das Konzept der Verdrängung, wie wir es seit Freud kennen. Überdies kann eine spirituelle Praxis selbst zu einem Mittel der Verdrängung werden.
Eine moderne, wahrhaft ganzheitliche Spiritualität tut daher gut daran, die Informationen sog. „negativer“ Gefühle und die Aufarbeitung von Verdrängtem mit einzubeziehen. Denn nur auf diese Weise wird persönliches Wachstum wirklich möglich. Weiterlesen

Leiblichkeit und Weiblichkeit in spirituellen Traditionen

Autor: Peter Widmer

Katharina Ceming

In diesem zweiten Teil des Interviews mit Katharina Ceming geht es um die Rolle des Körpers / der Leiblichkeit und damit einhergehend, der Weiblichkeit in spirituellen Traditionen. Nicht nur unsere westliche Kulturgeschichte, auch die Kulturgeschichten der Spiritualitäten lassen sich, mit wenigen Ausnahmen, als Verdrängungsgeschichten des Leiblichen und Weiblichen diagnostizieren.
Eine moderne, wahrhaft ganzheitliche Spiritualität tut gut daran, diese beiden bislang verdrängten Dimensionen des Menschseins mit einzubeziehen, denn Körper und Geist / Seele, männlich und weiblich wirken stets wechselseitig aufeinander ein, sowohl im einzelnen Menschen, als auch in unserer Gesellschaft, in Familien und am Arbeitsplatz. Weiterlesen