Sich von Anhaftungen befreien

Autor: Peter Widmer

Kreislauf des Samsara

Haben Sie die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die Sie nicht ändern können? Haben Sie den Mut, Dinge zu ändern, die Sie ändern können? Verfügen Sie über die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden? Falls nicht? Kann es sein, dass Sie an etwas anhaften?
Dieser Blogbeitrag handelt davon, wie man sich mit Zen und Innerer Friedenskonferenz von seinen Anhaftungen befreien kann.

Anhaftungen? – Was is n`des?

Samsara Gier  Samsara anhaften

Im den Darstellungen des Buddhistischen Lebensrades gibt es dieses bekannte Symbol für „Gier“ (Bild links, resp. oben): ein Mann sitzt in einer Kneipe mit einem Glas Bier – manchmal sieht man im Bild eine Frau, vermutlich die Bedienung, die ihm bereits ein zweites Glas Bier bringt. Die Steigerungsform von Gier ist die sog. „Anhaftung“ (Bild rechts, resp. unten). Hier ist offensichtlich bereits einiges aus der richtigen Mitte und ins Extrem geraten. Die weithin bekannte Darstellung hierfür: Ein Mann, manchmal ist es auch eine Frau, pflückt Äpfel von einem Baum, legt sie in eine Schürze oder in Körbe, die übervoll sind mit Äpfeln.

Anhaften an Teilpersönlichkeiten

Anhaftungen sind ein zentrales Thema im Zen-Buddhismus. Sie haben ihren Ursprung in der Aktivität des Bewusstseins. Wir haften an, wenn unsere Lebensbühne besetzt ist von ganz bestimmten Teilpersönlichkeiten mit ihren Wahrnehmungen, Gefühlen, Gedanken, Glaubenssätzen, Verhaltensweisen und andere Teile verbannt sind in die „Garderobe unseres Lebenstheaters“ – oder gar im Keller sitzen und wir sie nicht kennen und nicht integriert haben. Die Kellerkinder und Verbannten dürfen dann nicht teilnehmen im Wohnzimmer unseres Lebens, weder am Esstisch, noch in der Küche, nicht im Schlafzimmer und auch nicht am Arbeitsplatz oder im Tennisclub.
Unser Bewusstsein ist mit ganz bestimmten Teilpersönlichkeiten besetzt. Wir sind auf sie fixiert und halten diese für unser eigentliches Ich, resp. unser Ego. So kennen wir uns. Das sind wir. Das ist unsere Identität! Nicht anders!

Man kann auch an angenehmen Gefühlen anhaften

Anhaftung muss per se nichts mit Gefühlen zu tun haben, bei denen man leidet, unzufrieden, traurig, depressiv etc. ist. Man kann auch an schönen Gefühlen anhaften.
Die Phantasie kann sich z. B. vorstellen wie es ist, wenn man im Lotto gewonnen hat und sich ausmalen, was man mit den gewonnen Millionen alles machen wird. Dabei sind schöne Gefühle mit im Spiel. Auch wenn man hierbei vordergründig nicht leidet, kann ein solches Verhalten eine Anhaftung sein. Allein die Beweglichkeit zwischen Vorder- und Hintergrund, resp. zwischen verschiedenen Teilpersönlichkeiten flexibel hin- und her wechseln zu können ist nicht mehr gegeben. Auf der Lebensbühne haben sich bestimmte Teile fix etabliert und andere dürfen nicht auftreten. Diese Fixierung ist das Hauptkriterium für Anhaftungen.

Anhaftungen haben per se nichts mit Zielorientiertheit zu tun

Anhaftungen haben per se auch nichts mit Zielorientiertheit zu tun! Wenn ich zielorientiert vorgehe, Wege und Mittel wähle, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, dann muss ich zwischen Vorder- und Hintergrund des Bewusstseins hin- und her- wechseln können, um das Ziel prozessorientiert veränderten Bedingungen anpassen zu können.

Anhaften kann man an allem

Anhaften kann man an allem. Am Wunsch nach einer Lottomillion, nach einem ganz anderen Leben, an der Trauer über einen Verlust, dem Arbeiten, einer Beziehung, Zigaretten, Essen, Sport, an immer wiederkehrenden Gedanken und Gefühlen, die uns daran hindern, glücklich und erfüllt zu leben. Auch an spirituellen Zuständen und Gefühlen können wir anhaften, beispielsweise vollkommen und ständig identifiziert sein mit dem „reinen Beobachter“ oder uns ständig nur auf die Erfahrung der Einheit oder Nicht-Dualität konzentrieren und daraus leben, um Herausforderungen des Alltags zu vermeiden. Im Zen nennt man dies Zen-Krankheit. Es ist gleich dem Verharren auf der Spitze einer Fahnenstange, wie es in einem Zen-Koan heisst. Ein moderner Begriff dafür ist „spiritueller Bypass“.

Anhaftungen sind weder moralisch gut, noch böse, sondern leidvoll

Anhaftungen sind weder moralisch böse noch gut, jedoch ungünstig hinsichtlich der dynamischen Lebenswirklichkeit.
Es gibt kein moralische Gebot: „Du sollst nicht anhaften!“ – wenngleich wir zuweilen vielleicht die Tendenz haben, unsere Liebsten gerne dazu aufzufordern, doch endlich einmal diese oder jene Anhaftung loszulassen und sich zu ändern, weil es uns dann besser geht. Doch ob jemand an etwas anhaftet und wie intensiv eine Anhaftung ist, das kann jeder Mensch nur für sich selbst entscheiden. Es kann nicht moralisch eingefordert werden.
Anhaftungen bedeuten eine Reduktion des menschlichen Potentials, welche dem Fluss des Lebens nicht Rechnung trägt! Es sind Versuche, an etwas unverändert festzuhalten; sie gehen am Leben vorbei und können daher Leiden hervorrufen.

Ein Beispiel: Anhaften an Wut und Zorn

Wenn wir mit einem wütenden, zornigen Teil in uns stark identifiziert sind, haben wir die Tendenz, alles persönlich zu nehmen und das, was andere tun, immer auf uns zu beziehen. Ein wütiger, gestresster Autofahrer beispielsweise, der dringend an sein Ziel gelangen will, stellt sich die anderen buchstäblich als Feinde vor, die ihm absichtlich die Vorfahrt nehmen, ihn ausbremsen oder ihm aus Bosheit den Weg abschneiden. Er denkt, er habe gute Gründe für die Annahme, die anderen seien alle Idioten.

Wenn wütige und zornige Anteile uns beherrschen, nehmen wir selektiv nur das wahr, was unsere Vorurteile und Befürchtungen bestätigt. Selbst neutrales Verhalten der anderen oder ihre guten Absichten lassen sich dann als manipulativ oder bösartig deuten: „Der ist ja nur so freundlich, weil er etwas von mir will!“ wird unterstellt. Oder „der will sich über mich stellen und mir zeigen was für ein Gutmensch er ist.“ Und eine einzige „Verfehlung“, ein Fehler uns gegenüber reicht oft aus, um alle anderen Handlungen des andern in dem Satz zu generalisieren: „Der ist gegen mich!“ Wir geben dem anderen keine Chance, vielleicht weil wir das Gefühl haben, dass auch uns vorher keiner eine zweite Chance gegeben hat! Und schließlich werden die eigenen Anteile an einem Konflikt oder einem Missverständnis meist völlig ausgeblendet: „Der andere ist schuld!“ Er oder sie hat uns in den Konflikt hineingezogen und ist schuld, dass wir verbal zugeschlagen haben oder uns die Hand ausgerutscht ist! „Er/sie hat es nicht besser verdient!“
Es sind dann Sätze von der folgenden Art, die dann noch zur Umsetzung der Wut und des Zorns in aggressives Verhalten fördern: „Niemand darf etwas Falsches über mich sagen!“ „Es ist eine Katastrophe, wenn etwas schief läuft!“ „Wenn mich jemand ärgert, darf ich das nicht auf mir sitzen lassen!“ und so ein Denken kann sich verselbständigen! – „der andere ist unsensibel, wenn er falsch reagiert hat, er muss doch eigentlich wissen, was in mir abgeht!“ Von solcher Art können die Sätze sein, an welchen der wütende, aggressive Teil anhaftet.

Sind wir also in einer starken Anhaftung an einem wütenden, zornigen Persönlichkeitsanteil, sind Mitgefühl und Verständnis nicht mehr zugänglich.

Befreiung von Anhaftungen durch Zen-Meditation

Wir lernen und verlernen Dinge durch Aufmerksamkeitsprozesse

„Die Fähigkeit, die umherwandernde Aufmerksamkeit immer wieder von neuem willentlich auf denselben Gegenstand zurückzuführen ist die Wurzel der Urteilsfähigkeit, des Charakters und des Willens … Eine Erziehung, die diese Fähigkeit verbessert, wäre die Erziehung par excellence.“
William James, Principles of Psychology

Aufmerksamkeit verbindet Gefühle mit dem Denken und den motorischen Bewegungen, d.h., unserem Verhalten und Handeln. Das scheint für alle Lernprozesse zu gelten. Lernen wir beispielsweise Tanzen, benötigt das anfangs ganz viel aktive Aufmerksamkeit. Man denkt bewusst daran, dass der Tanzlehrer gesagt hat, wie man die Füsse setzen muss, wie die Dame/der Herr zu halten ist. Und das Ganze wird mit Musik, Rhythmus und entsprechenden Gefühlen verbunden. Später, wenn die Fähigkeit erlernt ist, kann die Aufmerksamkeit auf andere Dinge gelenkt werden, etwa auf den bevorstehenden Einkauf, den gestrigen Theaterbesuch, ein Gespräch, u.v.m.

Doch was bedeutet das hinsichtlich der Lösung von Anhaftungen? Meditation ist gelenkte Aufmerksamkeit. Ebenso wie wir durch gelenkte Aufmerksamkeit Dinge lernen, können wir sie durch gelenkte Aufmerksamkeit verlernen und andere Dinge lernen. Da wo die Aufmerksamkeit hingeht, das wird stärker in unserem Leben! Wo die Aufmerksamkeit ist, da findet Bewusstsein statt.

Zen-Meditation entzieht den Anhaftungen die emotionale Energie

Während der Meditation lässt sich gut beobachten, wie wir, sobald wir uns entspannen, die Tendenz haben, innere Dialoge und Monologe zu führen. Es sind unsere Teilpersönlichkeiten, die sich in den inneren Phantasien, Gedanken, Gefühlen, Stimmungen und Vorstellungen ausdrücken – meist im Default Network Modus, d. h. die Teilpersönlichkeiten kreisen um sich selbst. Sind unsere inneren Teile hartnäckig im Vordergrund unserer Aufmerksamkeit, so könnte es sich dabei durchaus um eine Anhaftung handeln, die uns besetzt hält.

Meditation ist gelenkte Aufmerksamkeit. Indem wir unsere Aufmerksamkeit je neu zurück zum Atem, zu unserem Koan oder Mantra lenken oder versuchen in die Präsenz des Hier und Jetzt zu gelangen, entziehen wir der Teilpersönlichkeit, der wir anhaften die emotionale Energie. Anhaftungen sind mit starken Bedürfnissen, Wünschen und Emotionen verbunden. Diese liefern sozusagen die Energie, die uns anhaften lässt.
Sobald in unserem Bewusstsein Gedankenzüge, Phantasien, innere Bilder, Emotionen, Wünsche, etc. auftauchen, lenken wie unsere Aufmerksamkeit mit einer liebevollen Entschiedenheit wieder zurück zu unserer Meditationsübung. Auf diese Weise kann sich mehr und mehr während der Meditation eine innere Stille ausbreiten. Alle bedrängenden, stressvollen, unruhigen Gedanken und Gefühle rücken nach und nach in den Hintergrund des Bewusstseins. So kann im Vordergrund unseres Bewusstseins

  • tiefe Gelassenheit,
  • Leichtigkeit,
  • innerer Friede und
  • die Erfahrung tiefer Freiheit entstehen.

Zen und der spirituelle Bypass

Spiritueller Bypass

Bereits 1984 prägte John Welwood den Begriff „spiritueller Bypass“.1
Spiritueller Bypass
meint, dass wir unsere spirituelle Praxis und unsere spirituellen Zustände missbrauchen können, um ungelösten inneren und äusseren Konflikten, schmerzhaften und unliebsamen inneren Anteilen – Kellerkindern und Verbannten in uns – unbewusst aus dem Weg zu gehen und unsere Entwicklungschancen zu verpassen. Auf diese Weise wird die Zenpraxis selbst zu einer Anhaftung und damit zur Zen-Krankheit.
Mit Entwicklungschancen meine ich unsere Fähigkeit, offen, flexibel, situativ passend und zwischenmenschlich konstruktiv und mitfühlend zwischen unterschiedlichsten Teilpersönlichkeiten hin und her zu wechseln. Entwicklung meint auch, sich selbst aufgrund der Bekanntschaft mit den eigenen Teilpersönlichkeiten in die Schuhe anderer Menschen stellen zu können und Situationen aus unterschiedlichsten Blickwinkeln und Perspektiven ganzheitlicher erfassen zu können.

Unangenehme Teilpersönlichkeiten vermeiden und wegstecken

Wir können durch unsere Meditationspraxis beispielsweise leidvolle Teilpersönlichkeiten, die Gefühle wie Ohnmacht, Hilflosigkeit, Schuld, Scham, Peinlichkeit etc. mit sich tragen, vermeiden, ihnen aus dem Weg gehen, indem wir sie unters Meditationskissen verbannen.
Persönlich und gesellschaftlich tendieren wir dazu, schmerzvolle Anteile in uns zu verdrängen. Meditation kann ein Weg der Verdrängung sein.

Hilflosigkeit und Ohnmacht sind vermutlich die geächtetsten Gefühle unserer Gesellschaft. Wir ziehen persönlich und gesellschaftlich eher schmerzbetäubende Lösungen vor, als mit solchen Gefühlen in Kontakt zu gehen und ihre Botschaften ernst zu nehmen. Diese Tendenz ist so tiefgreifend und durchgehend in allen Bereichen unseres gesellschaftlichen Lebens, in Beziehungen, der Arbeitwelt, in Organisationen und Unternehmen verwurzelt, dass sie als „völlig normal“ betrachtet wird.
Spirituelles Bypassing unterstützt diese gesellschaftliche und individuelle Tendenz, schmerzvolle Seiten in uns zu unterdrücken, wegzustecken in den Keller und in unbekanntes Terrain zu verbannen. Dabei hat gerade die Fähigkeit, Mitgefühl empfinden und ausdrücken zu können so viel mit der Aneignung schmerzhafter Teile zu tun!

Wichtige Informationen nicht wahrnehmen

Alle diese Teile, die wir weghaben und wegsperren wollen, mit denen wir angeblich nichts zu tun haben, die haben oft wichtige Botschaften. Sie stellen oft lebenswichtige Dinge sicher für uns. Die Botschaft von Hilflosigkeit und Ohnmacht beispielsweise lautet oft, dass die bisherigen Lösungsversuche, mit einem bestimmten Problem umzugehen nicht mehr funktionieren und dass nach neuen Wegen und Lösungsmöglichkeiten gesucht werden muss. Und wir brauchen heute neue Lösungen, gerade für die anstehenden gesellschaftlichen Probleme! Daher ist es wichtig, mit Hilflosigkeit und Ohnmacht in Kontakt sein zu können, um den Apell, der darin verborgen liegt wahrzunehmen!

Wir können auch Zuständen wie Unzufriedenheit, Ärger, Zorn, Wut, Trauer und Hass aus dem Weg gehen, sie nicht spüren und uns von deren meist bedeutsamen Informationen verschliessen. Unzufriedenheit, Ärger, Zorn und Wut in sich wahrzunehmen, könnte beispielsweise bedeuten, herauszufinden, dass wir Wünsche haben, die uns nicht erfüllt werden – sei es von uns selbst, wenn wir mit uns unzufrieden sind – oder Wünsche, die wir an andere haben, wenn wir mit anderen unzufrieden sind.

Kellerkinder und Verbannte schlagen hinterrücks zu

Gerade in einem spirituellen Umfeld, das sich um Mitgefühl, Mitfreude, Gelassenheit und ethische Tugenden bemüht, ist es besonders wichtig, mit seinen Kellerkindern in Kontakt und im Reinen zu sein. Denn sie machen Muskeltraining unter dem Meditationskissen, wenn wir sie darunter wegstecken und überfallen uns hinterrücks im Alltag in Situationen, in denen wir sie am wenigsten vermuten.

Spirituelles Bypassing von Kellerkindern und Verbanten Teilen in uns ist viel verbreiteter, als wir gemeinhin glauben und wird zum grossen Teil übersehen, es sei denn, es handelt sich um offensichtliche Extreme. Wenn Persönlichkeitsanteile in uns sehr hart arbeiten – wir also sehr stark und einseitig mit ihnen identifiziert sind – und wir trotz täglicher Zenpraxis immer wieder darunter leiden. Dann wird spirituelles Bypassing offensichtlich. Ken Wilber sagte einmal: „Ein Narzisst, der meditiert, ist ein erleuchteter Narzisst.“

Sich durch Innere Friedenskonferenz von Anhaftungen befreien

Dominante Seiten und was sie für uns sicherstellen kennenlernen

Zen-Meditation hat ein riesiges Potential, sich punktuell immer wieder von Anhaftungen des Alltags vollkommen zu befreien. In Kombination mit Innerer Friedenskonferenz potenziert sich dieses Potential. In der Inneren Friedenskonferenz beschäftigen wir uns zunächst mit den Teilen, die unser Lebenschiff massgeblich steuern. Unsere dominanten Seiten, die zumeist in unserem Alltag präsent sind und die wir für unsere Identität, unser Ich, unser Ego halten. In unserer westlichen Kultur sind dies vor allem beispielsweise

  • der Leistungsmensch in uns, der innere Antreiber, der uns zu Bestleistungen antreibt: „höher, weiter, schneller!“
  • Der/die innere PerfektionistIn, der/die mit hohen Ansprüchen und Massstäben alles noch perfekter haben will oder
  • das Teil in uns, das sich bemüht, vor anderen, den Kollegen, dem Chef, dem Partner/der Partnerin gut dazustehen, es möglichst allen recht zu machen.

Doch unterschiedliche Menschen haben unterschiedliche dominante Seiten. Und so kann es sein, dass Sie ganz andere dominante Seiten in sich tragen, als die eben genannten. Das ist vollkommen in Ordnung.

Doch meist sorgen die dominanten Seiten dafür, dass wir nicht mit verletzlichen Anteilen in Kontakt sind. Sie beschützen uns davor, von unangenehmen Gefühlen überschwemmt zu werden. Sie sorgen für unsere Funktionstüchtigkeit im Leben und schützen uns vor dem Chaos. Zudem haben die Gegenpole und andere Verhaltensmöglichkeiten oft kein Gewicht und keine Bedeutung im Leben.

Gegenpole entwickeln

Um an den obigen Beispielen anzuknüpfen:

  • ein Gegenpol zum perfektionistischen Teil wäre etwa ein Teil, das Fehler machen darf nach dem Motto: „Aus Fehlern wird man klug, daher ist einer nie genug!“
  • oder ein Gegenpol zum inneren Antreiber wäre eine Seite, die auch Mal Fünfe grade lässt und sagt: „Nimm dir Zeit und nicht das Leben!“ „Nimms leicht und spielerisch!“
  • Und statt sich in die Bedürfnisse und Wünsche anderer immer nur einzufühlen und es andern immer nur recht machen zu wollen, kann es eine verborgene Seite geben, die auch Mal „Nein!“ sagen kann oder sagt: „Tue was Dir am Herzen liegt!“ „Zeige Deine Wünsche und Bedürfnisse!“ „Sorge gut für Dich!“

Zen und Innere Friedenskonferenz in Kombination

Zen-Meditation sorgt für eine Grosse innere Stille, für Gelassenheit, Harmonie, ein grosses inneres Glück, Leichtigkeit, Dankbarkeit und Mitgefühl. Allein um spirituelles Bypassing zu vermeiden braucht es mehr.
In Kombination mit Innerer Friedenskonferenz ist Zen ein wunderbares, tragendes Gefäss, in dem alles in Ordnung ist, so wie es gerade ist. Auch schmerzvolle Anteile, Kellerkinder und Verbannte. Zen ermöglicht eine grundlegende Akzeptanz und wirkt daher transformierend. Und Zen in Kombination mit Innerer Friedenskonferenz bietet die Möglichkeit, auch die Seiten ins Leben zu bringen, die wir noch nicht oder nur schwach entwickelt haben. Zen in Kombination mit Innerer Friedenskonferenz entwickelt unsere zwischenmenschlichen Potentiale. Sie ermöglicht es, andere Menschen, Situationen, Aufgaben und Alltagsprobleme aus vielen verschiedenen Perspektiven betrachten zu können und uns besser in die Schuhe anderer stellen zu können und neue Perspektiven einzunehmen, die uns zuvor noch unzugänglich waren. Zum Wohle des jeweils grösseren Ganzen, in dem wir Leben.

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  1. Siehe: Welwood, John: „Between heaven and earth: principles of inner work“. Toward a psychology of awakening: Buddhism, psychotherapy, and the path of personal and spiritual transformation. Boston: Shambhala Publications, 1984. Siehe auch: Masters, Robert Augustus: Spiritual bypassing: when spirituality disconnects us from what really matters. Berkeley, CA, 2010: North Atlantic Books. ISBN 9781556439056

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