Glück und Humor im Zen: Hotei der lachende Buddha

Autor: Peter Widmer

Hotei mit Kindern von Kitao Shigemasa, 18. Jh.

Hotei – der lachende Buddha – steht für das tief empfundene Glück durch Zen-Meditation, die Leichtigkeit, Lebensfreude und den Humor, der es uns ermöglicht, Widersprüche im Leben und in uns mit einem Lächeln anzunehmen.
Dieser Buddha verdankt seine Entstehung dem Leben eines einfachen Zenmönchs namens Qici aus der chinesischen Stadt Fenghua in der Provinz Zhejiang. Quici lebte um das Jahr 900 u.Z. Es wird berichtet, dass er leicht behindert war, ein wenig tolpatschig, einen dicken Bauch hatte und jeden Tag mit seinem Jutesack auf Almosengang unterwegs war, was ihm den Spitznamen Budai (chin. Jutesack; jap. Hotei) eintrug. Dankbar und zufrieden nahm er auf seinen Almosengängen alle Spenden an und stopfte sie in seinen Sack. Was er bekam, teilte er mit den Kindern, die ihn stets begleiteten, weshalb er auch oft als Schutzpatron der Kinder dargestellt wird.

Hotei zeigt auf den Mond von Fūgai Ekun, 17. Jh.

Hotei verkörpert mit seiner Gestalt, seiner Lebensweise und seinem strahlenden Lachen die Einfachheit und Schlichtheit des Zen. Im Zen geht es um die Realisation des Dao, des Wesens oder eigentlichen Kerns aller Dinge in den alltäglichsten Angelegenheiten.
Wenn Hotei in dem Bild von Fugai Ekun auf den Mond zeigt, so bedeutet der Mond das „Absolute“, das sprachlich nicht fassbar ist. Und um diese Erfahrung anzuregen und die Lebensreise auf dem Zen-Weg immer wieder von neuem zu motivieren, gibt es die sog. Zen-Koans. Das sind Zen-Geschichten zwischen Schüler und Meister oder zwischen zwei Meistern, bei welchen es immer darum geht, über den blossen Wortsinn hinaus zu gelangen zu einer Erfahrung der Non-Dualität. Selbstverständlich gibt es auch ein Koan über Hotei.

Eines Tages begegnete Hotei einem Zen-Mönch und dieser fragte ihn: „Was ist das Geheimnis des Zen?“ Hotei liess sofort seinen Sack, den er auf dem Rücken trug, zu Boden fallen und breitete die Arme aus. „Dann sage mir“, fuhr der Mönch fort, „worin besteht die Verwirklichung des Zen?“ Sofort ergriff der lachende Buddha seinen Sack, warf ihn sich über die Schulter und ging seines Weges, ohne sich noch einmal umzuschauen.

Der Mönch stellte eine Frage und Hotei antwortete durch eine Geste. Er zeigt, was er begriffen hatte und der Mönch konnte ihm nur noch nachschauen. Hotei hatte alles gesagt, was es zu sagen gab, denn er war in seinem Tun ganz in Harmonie mit dem Ganzen, das für ihn in jeder alltäglichen Geste präsent war. Gewiss hatte er viele Jahre schon meditiert und den Zen-Weg zu seinem Lebensweg gemacht, so dass er die Essenz des Zen auf Schritt und Tritt verkörperte.

Von Hotei stammt folgender Vers: „Oh Maitreya, wahrer Maitreya! Du besitzt unzählige Formen. Du zeigst dich beständig den Menschen, aber die Menschen erkennen Dich nicht.“

Maitreya ist ein Bodhisattva der Zukunft, der nach buddhistischer Vorstellung am Ende der Zeit, nachdem eine Verfallsgeschichte ihren Lauf genommen hat, wieder kommt, um alle Lebewesen zu retten und ein Zeitalter des Friedens zu etablieren. Diese Gestalt findet sich bereits in den Frühbuddhistischen Texten, sowie in Schulen des Tantrischen Buddhismus.

Hotei bringt mit seinem Vers zum Ausdruck, dass Maitreya und sein Reich immer schon in dieser Welt anwesend ist und dass man nicht unendlich lange zu warten braucht, damit er kommt. Maitreya ist immer schon da. In den alltäglichsten Dingen und Verrichtungen. Doch mit unserem normalen Bewusstsein erkennen wir ihn nicht, weil wir vergessen haben, dass das „Eigentliche“, „Absolute“, das Unaussprechliche, nicht abgetrennt ist von unserem Alltag. Maitreya ist bloss ein weiterer Begriff, eine Vorstellung von etwas, was in Wirklichkeit jenseits aller Vorstellungen liegt. Das zu realisieren, dazu ruft uns Hotei mit seinem Vers über Maitreya auf. Im Laufe der Jahrhunderte wurde Hotei selbst zum Maitreya Buddha stilisiert.

Hotei ist eine Figur, die nicht nur im Zen, sondern weit darüber hinaus in den kulturellen Alltag Chinas, Koreas und Japans eingedrungen ist. Man kennt ihn sowohl im Daoismus, als auch im Shintoismus Japans. Heute gibt es eine Reihe von Produkten und Restaurants, sowie Mangas und Sänger, die mit Hotei werben. Er gilt als Kulturgut und Glücksbringer des Fernen Ostens. Und jeder streicht ihm gerne über seinen dicken Bauch, was Glück, Wohlstand und ein langes Leben verheisst.

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